Ein Jahr in der Kunigundenschule

02.08.2019 | Aktionen / Projekte

 

Auch im Schuljahr 2018/19 absolvierte wieder ein junger Mensch ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ in der Mittelschule I Lauf .a d. Pegnitz. Diese von der Stadt Lauf finanzierte und vom Stadtrat mehrheitlich beschlossene Maßnahme ist eine große Unterstützung für die Schule, bietet aber die Möglichkeit sich sozial zu engagieren und sie hilft in vielen Fällen bei der Suche nach einer sinnvollen und erfüllenden beruflichen Tätigkeit. Maria Gemmel aus Ottensoos, entschloss sich nach dem Abitur in eine Schule hinein zu schnuppern. Zu ihren Beweggründen und Erfahrungen nun ein bisschen mehr in einem Interview, welches sie mit der Schulleitung kurz vor dem Ende ihrer Tätigkeit geführt hat.

 

Maria, warum hast du dich dafür entschieden, nach dem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr zu machen und bist nicht schon damals an die Uni oder hast eine Ausbildung gemacht?

 

Nach 12 Jahren Schule mit der Abiturprüfung am Ende und den damit verbundenen unzähligen Stunden, die ich mit Lernen verbrachte, wollte ich nicht sofort an die Uni und „weiterlernen“. Ich wollte mich zuerst einmal orientieren, praktische Erfahrungen sammeln und dabei zugleich auch etwas Sinnvolles tun. Das „Freiwillige Soziale Jahr“ schien mir da genau richtig zu sein.

 

Warum hast du für ein FSJ an einer Schule entschieden?

 

Den Gedanken Lehramt zu studieren, hatte ich schon länger. Ich möchte auf jeden Fall mit Menschen arbeiten; vor Allem die Arbeit mit Schülern reizt mir sehr. Von meiner Schwester, die Lehramt für Gymnasium studiert, weiß ich allerdings, dass gerade dieser Studiengang nur einen sehr geringen Praxisanteil beinhaltet. Ich wollte nicht studieren gehen, um dann eventuell später festzustellen, dass ich für den Beruf gar nicht geeignet bin. Ein Jahr an einer Schule war perfekt für die Entscheidungsfindung. Dadurch, dass ich so vielen unterschiedlichen Bereichen tätig war, konnte ich einen wirklich umfassenden Überblick über die Arbeit an einer Schule gewinnen. Dies hat mich letztendlich auch darin bestärkt nun ein Lehramtsstudium aufzunehmen. Ich kann diese Vorgehensweise allen interessierten Abiturientinnen und Abiturienten wirklich nur empfehlen. So ein Jahr ist absolut kein verschwendetes Jahr.

 

Welche Arbeitsbereiche hattest du in der Kunigundenschule?

 

Ich war wirklich überall tätig. Telefondienst in der Verwaltung, Post sortieren und weiterleiten, Briefe schreiben, Mails beantworten und vieles mehr – die Verwaltungsfachkraft an der Schule, Frau Kleinlein, zeigt mir geduldig alles, was in der Schulverwaltung allgemein zu erledigen ist, aber auch, was Lehrkräfte außerhalb des Unterrichts alles zu tun haben.

 

Den größten Teil meiner Arbeitszeit verbrachte ich mit Schülern. Ich wurde in der Lernzeit zur Unterstützung der Schüler bei der Bearbeitung des Wochenplans eingesetzt, führte Aufsicht in den Pausen, begleitete Klassen bei ihren Ausflügen und Unterrichtsgängen, hospitierte im Unterricht der Mittelschullehrkräfte, unterstütze leistungsschwache Schüler in Differenzierungsphasen und leitete auch nachmittags eine Arbeitsgemeinschaft, die im Rahmen des Ganztages angeboten wurde.

 

Was hast dir besonders Spaß gemacht?

 

Natürlich die Arbeit mit den Menschen allgemein und den Schülern ganz speziell. Es gab so viele schöne Erlebnisse und so viel Unterstützung durch die Verwaltung und durch die Lehrkräfte.

 

Gab es Dinge, die dir nicht so gefallen haben?

 

Da kann ich lange darüber nachdenken, es wird mir aber nichts einfallen. Selbst unangenehme Dinge, wie Streits und Konflikte unter den Schülern, wurde meist so gelöst, dass mir nichts Negatives in Erinnerung geblieben ist.

 

Nach deinem freiwilligen sozialen Jahr an der Kunigundenschule hast du dich bewusst für ein Studium für das Lehramt an Mittelschulen entschieden und nicht z. B. für die besser bezahlten Lehrämter an Realschulen oder Gymnasien – warum die Mittelschule?

 

Die unterschiedliche Bezahlung, auch wenn ich es nicht als gerecht empfinde, spielt bei meiner Wahl für eine Schulart keine Rolle. Ganz entscheidend ist für mich der Zugang zu den Schülern, der an einer Mittelschule ganz anderes erfolgt. Zu meinen Lehrern am Gymnasium gab es keine Beziehung, nicht einmal zur Klassenlehrkraft, da diese oft nur ein oder zwei Fächer in der Klasse unterrichteten und meist nach einer Unterrichtsstunde in die nächste Klasse weiterzogen. So lernt man sich nicht kennen. Das Klassenlehrerprinzip, die vielen gemeinsamen Stunden, die die Schüler mit ihren Lehrkräften verbringen, bieten ganz andere Möglichkeiten des Kennenlernens und der Zusammenarbeit. Auch der gebundene Ganztag mit dem gemeinsamen Mittagessen, den Arbeitsgemeinschaften und der Lernzeit tragen viel dazu bei, dass man sich in einem anderen Rahmen begegnet, was sich wirklich positiv auf ein respekt- und vertrauensvolles Miteinander auswirkt.

Nach den Erfahrungen im "Freiwilligen Sozialen Jahr" an der Kunigundenschule kann es nur da Lehramtsstudium für Mittelschulen sein - und darauf freue ich mich schon sehr.

Vielen Dank, Maria, für das Interview und viel Erfolg an der Universität - vielleicht kommst du ja bald wieder zu uns. Wir würden uns sehr freuen!

 

Auch in diesem Schuljahr gibt es an der Kunigundenschule wieder einen "FSJ'ler". Sein Name ist Johannes Bürger und er kommt aus Lauf. Wie es ihm bei uns gefallen hat, könnt ihr am Ende des Schuljahres hier lesen.

Wer lernt und nicht denkt, ist verloren!
Wer denkt und nicht lernt, ist in großer Gefahr.

Konfuzius