Die „NachhilFee“ in der Mittelschule I Lauf a. d. Pegnitz

18.05.2021 | Aktionen / Projekte | 2020/2021

 Nach den Osterferien startete an unserer Schule das Projekt „NachhilFee“, welches Schülerinnen und Schüler unterstützt, bei denen Pandemie-bedingt der Lernfortschritt stagniert. Die „Feen“ und die Schüler*innen treffen sich jeweils nachmittags in der Schule um Versäumtes nachzuholen und im Distanzunterricht erlerntes Wissen zu vertiefen

Vor allem Lehramtsstudierende stehen uns hier dank der privaten Initiative zur Verfügung. Mehr zur „NachhilFee“ gibt es unter www.nachhilfee.de nachzulesen.

Eine unserer guten „Feen“ ist Johannes Bürger. Er unterstützt Casian aus der 7. Klasse. Im letzten Schuljahr war Johannes als „Freiwilliger im Sozialen Jahr“ an der Schule und entschloss sich danach für das Studium „Lehramt an Mittelschulen“.

Johannes und Casian erzählen im Interview über ihre Erfahrungen in Pandemie-Zeiten und über das Projekt „Nachhilfee“.

Hallo Casian, seit über einem Jahr stecken wir nun in der Pandemie fest und haben einen ständigen Wechsel von Distanzunterricht und Präsenz. Nichts ist mehr normal. Wie war diese Zeit für dich?

Die Zeit war für mich vor allem familiär sehr schwierig. Meine Eltern können kaum Deutsch und ich musste ständig für sie übersetzen. Dann kam auch noch die Schule dazu. Online-Unterricht war v. a. wegen der Internetverbindung sehr schwierig und technische Probleme hatte ich auch.

Von der Schule bekam ich dann ein Leihgerät, ein Surface, damit wurde es dann besser.

Wie hast du den Umgang mit dem Gerät erlernt?

Ich habe schon vorher im Unterricht in der Schule einiges gelernt und während des Online-Unterricht erklärte uns unsere Lehrerin sehr viel. Leider gibt es noch einige Probleme mit dem Internet und dem W-LAN zuhause.

Wie sah denn dein Tagesablauf während des Distanzlernens aus? Wie war das „Lernen –Zuhause“ für dich?

Das Lernen war nicht so gut wie in der Schule. Der Tagesablauf hat sich sehr verändert. Ich habe zwar Hausaufgaben gemacht und manchmal gelernt, aber sonst auch sehr viel gespielt (Anm. Computerspiele). Vormittags hatte ich regelmäßig Distanzunterricht. Wir waren zwar über Mikrofon und Kamera verbunden und ich konnte auch Fragen stellen, das war aber nicht so verständlich wie in der Schule. Meine deutsche Sprache ist in dieser Zeit etwas besser geworden. Vor allem das Sprechen; mit dem Schreiben habe ich noch große Probleme, weil die Buchstaben im Rumänischen anders sind. In Mathematik und Englisch habe ich natürlich etwas dazugelernt, aber in der Schule wäre das sicher auf einem anderen Level gewesen. Für das Lernen und das Konzentrieren ist die Schule einfach der bessere Ort.

Vielen Dank, Casian! Johannes kommen wir zu dir. Du warst ja schon im letzten Schuljahr an der Schule als FSJ-Kraft und hast den Beginn der Pandemie sozusagen bei uns in der Schule miterlebt. Wie war diese Zeit für dich?

Diese Pandemie war etwas ganz Neues. So eine Situation hatten wir vorher nicht. Es gab keinen Fahrplan, wie man sich genau verhalten sollte, da niemand auf Erfahrungen aus der Vergangenheit zurückgreifen konnte. Ich kann mich noch sehr genau an den Tag erinnern, als der erste Lock-Down ausgerufen wurde. Ich war in einer 9. Klasse, die sich auf die Prüfungen vorbereitete. Man sagte zu ihnen, dass sie ihre Bücher mitnehmen sollten, die Schule würde jetzt geschlossen werden. Es gab eine große Verunsicherung und keiner wusste, wie lange diese Situation andauern würde.

Nach deiner Zeit an unserer Schule hast du dich bewusst für ein Studium für das Lehramt an Mittelschulen entschieden und bist nun an der Uni Erlangen-Nürnberg. Hattest du überhaupt schon eine Vorlesung in Präsenz?

Nein, ich studiere ebenfalls im „Distanzunterricht“ Zudem haben wir viele Veranstaltungen im Videoformat, welche wir dann zuhause abrufen können, wann wir möchten. Das sehen einige Studierende auch als Vorteil gegenüber den Live-Video-Konferenzen. Der große Nachteil ist natürlich die fehlende Möglichkeit Verständnisfragen zu stellen.

Nun bist du als „NachhilFee“ zurückgekehrt. Wie bist du auf das Projekt gestoßen?

Die Schule hat mich kontaktiert und mir von dem Projekt erzählt. Da ich ja bereits hier gearbeitet habe und auch in der Nähe wohne, habe ich sofort zugesagt. Casian und seine Klasse kenne ich bereits aus dem letzten Jahr und freue mich nun sehr, dass dieses Projekt angelaufen ist.

Dein Lehramtsstudium kommt dir hier als „Fee“ auch zugute und zudem kannst du auch praktische Erfahrungen in einer Schule sammeln.

Natürlich ist es von Vorteil, wenn man ein Lehramt studiert. Man hat die Möglichkeit Dinge, die man in der Theorie an der Uni lernt, praktisch in der Schule umzusetzen und sieht auch wofür man studiert, nämlich für das Ziel einmal an einer Schule als Lehrkraft zu arbeiten. Ganz neu ist die Situation natürlich nicht, da ich ja bereits als FSJ-Kraft viel in den Klassen gestanden bin, bei schulischen Veranstaltung mitgewirkt habe oder in der Verwaltung ausgeholfen habe.

Vielen Dank, Johannes! Casian, nun bekommst du Unterstützung durch Johannes, eine unserer „NachhilFeen“. Ich sehe dich jetzt wieder öfter lächeln. Wie geht’s dir mit der „Fee“?

Die „NachhilFee“ hat mir bis jetzt sehr geholfen, v. a. in Mathe und Englisch, und ich freue mich wieder in die Schule gehen zu können.

Würdest das Projekt an Mitschüler*innen weiterempfehlen?

Auf jeden Fall! Ich kann Johannes Fragen stellen und er unterstützt mich in allen Fächern. Man kann, weil man nur zu zweit ist, intensiv Inhalte nachholen, die man zuvor nicht verstanden hat. Zudem ist es gut wieder „live“ in der Schule zu sein. Ich bin konzentrierter und wieder mehr bei der Sache. Es ist auch ein gutes Gefühl wieder schulische Dinge erledigt zu haben und z. B. von der Lehrerin ein Lob zu bekommen. Ich würde das Projekt auf jeden Fall empfehlen.

Johannes, dir macht die „NachhilFee“ auch sehr viel Freude. Könntest du dir vorstellen das Projekt weiterzuempfehlen?

Johannes (lacht)

Das habe ich bereits! Man kann praktische Erfahrungen sammeln, macht etwas Sinnvolles, indem man die Schüler*innen unterstützt, und ein bisschen Geld kann man auch verdienen. Die Kunigundenschule ist eine sehr schöne Schule und man fühlt sich hier willkommen. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich jetzt zur „Arbeit“ hierher muss, sondern habe auch sehr viel Spaß mit der Tätigkeit als „NachhilFee“.

 

Mittlerweile treffen sich von Montag bis Donnerstag zwischen 14:00 Uhr und17:15 Uhr sieben Feen mit neun Schüler*innen in den Räumen der Kunigundenschule und wir hoffen, dass in der Zukunft noch mehr Kinder durch "NachhilFeen" unterstützt werden können.

Das Projekt „NachhilFee“ wird über Spenden finanziert und kann so lange durchgeführt werden, bis die Spenden aufgebraucht sind. Mehr Informationen finden Sie auf der Internetseite:

www.nachhilfee.de

Wenn Sie Lust und Interesse haben, als „NachhilFee“ tätig zu werden, melden Sie sich bitte über die o. g. Homepage an oder wenden sich an uns:

Tel: 09123 184 3420

Mail ms-kunigundenschule@stadt.lauf.de

 

Michael Kirstein

Irrend lernt man.

Johann Wolfgang von Goethe